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Der letzte Scharfrichter

Infopunkt · Teutoburger Wald
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  • Scharfrichterbank Kilianskirche
    / Scharfrichterbank Kilianskirche
    Foto: Stadt Lügde
  • Scharfrichter Kreuz
    / Scharfrichter Kreuz
    Foto: Stadt Lügde
  • Die Grafschaft Pyrmont, 2.Hälfte 16. Jh.
    / Die Grafschaft Pyrmont, 2.Hälfte 16. Jh.
    Foto: Bildausschnitt aus dem Gemälde "die Grafschaft Pyrmont, 2.Hälfte 16. Jh.". Es zeigt die Siedlung Lügde mit dem Bierberg. Original im Museum im Schloss Bad Pyrmont.
Karte / Der letzte Scharfrichter

Erlebnispunkt des GPS-Erlebnispfades "Sagenhaftes Lügde"

Hier auf dem Bierberg stand der letzte Galgen Lügdes. Bevor der Galgen auf dem Bierberg errichtet wurde, teilte sich Lügde eine Richtstätte mit Bad Pyrmont in der Nähe des Pyrmonter Bahnhofs. Als sich die Beziehungen zwischen den beiden Städten verschlechterten, wurde von den Lügdern ein zusätzlicher Galgen errichtet. Der Galgen hatte die Form eines Fußballtores. An mehreren Schnüren konnten gleichzeitig mehrere Personen gehängt werden.
Es war nicht unüblich, die Hinrichtungsstätte erhöht und außerhalb des Ortes aufzustellen. Der Bierberg wurde von den Menschen gemieden, da man fürchtete, dass die Sünde auf jeden Menschen überging, der mit dem Galgen in Kontakt kam. Die Menschen gaben ihm unterschiedliche Namen: Man nannte den Berg auch „Schinderpohl“ oder „Krähenbrink“, da Tod und Verwesung Krähen anlockten.

Hinrichtungen wurden im Mittelalter vom örtlichen Scharfrichter vollzogen. Sie waren nicht nur Vollstrecker, sondern auch Diener der Justiz. Zu ihren Aufgaben gehörte das Erzwingen von Geständnissen durch Folter. Dies erforderte medizinische und anatomische Kenntnisse, um abschätzen zu können, welche Torturen der „Sünder“ aushalten konnte, ohne daran zu sterben. Dieses Wissen führte oft dazu, dass Scharfrichter sich nebenher auch als Heiler und Chirurgen etwas hinzu verdienten, sehr zum Unmut der örtlichen Ärzte.

Die Ausbildung erhielt der Scharfrichter in der Regel durch seinen Vater, der das Amt an ihn weiter gab. Die Ausbildung endete mit der „Meisterprobe“: dem nach allen Regeln der Kunst mit dem Schwert abgeschlagenen Kopf eines Verurteilten.

Auch wenn der Berufsstand als vermögend angesehen wurde, lebten Scharfrichter oft auf vielfältige Art gesellschaftlich isoliert. Sie heirateten meist nur innerhalb ihrer Kreise.

Ihre Arbeit umgab sie mit einer unheimlichen Aura, die Menschen mieden sie und im Wirtshaus und in der Kirche waren ihnen bestimmte Plätze zugewiesen.

Der letzte Lügder Scharfrichter war Mathias Bröcker (†1691). Das Scharfrichterkreuz vor der St. Kilianskirche erinnert noch an ihn und auch seine Bank in der Kilianskirche. Als der Sohn von Mathias Bröcker das Amt seines Vaters übernehmen sollte, flüchtete er aus Lügde und wurde nie wieder gesehen. Von da an blieb der Posten unbesetzt.

Der letzte Scharfrichter auf deutschen Boden beendete 1981 seine Tätigkeit.

Quelle: „Aus der Geschichte der Stadt Lügde“ von Edmund Schlieker und Josef Friese und Wikipedia

Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

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45,6 km
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